Veranstaltungen im Januar/Februar 2019 :: Gedenken an die Opfer des National­sozialismus

Veranstaltungen im Januar 2019

Sonntag, 6. Januar 2019, 19 Uhr
Altes Rathaus, Göttingen

KaZett und Kabarett

Widerworte in brauner Zeit

Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit e.V.

Eckhard Radau und Bernd Düring erzählen die Geschichte des deutsch­sprachigen Kabaretts in den Jahren 1933–1939.

Außergewöhnliches haben die Kabarettistinnen und Kabarettisten in diesen Jahren geschafft: nicht nur grandiose literarische Texte geschrieben, sondern auch Wider­stand gegen die Nazis geleistet. Jeder Auftritt bedeutete Gefahr für die eigene Existenz. Jeder Satz konnte zur Verhaftung führen. Deshalb wurde in den Kabaretts nicht mit dem Holz­hammer gearbeitet, sondern mit feinsten Nadel­stichen. Nach einem spiel­freien Tag sagte Werner Finck beispiels­weise: „Gestern waren wir zu. Heute sind wir offen. Wenn wir aber heute zu offen sind, dann sind wir Morgen wieder zu.“

Donnerstag, 10. Januar 2019, 19 Uhr
Kino Lumière, Geismar Landstr. 19, Göttingen

„My Two Polish Loves“ (OmU)

Dokumentarfilm und Gespräch mit den Filme­macherinnen Tali Tiller und Magda Wystub

Veranstaltet von [femko] in Kooperation mit dem Kino Lumière

Tali begibt sich auf eine bewegende Reise in die polnische Stadt Lodz, um den Spuren ihrer persönlichen und familiären Geschichte nachzugehen.

Im Zentrum stehen ihre in Polen auf­gewachsene Partnerin Magda und ihre Großmutter Silvia, eine Holocaust-Überlebende, deren Stimme und Erinnerungen die beiden begleiten. Während sie auf der Suche nach lang vergessenen Straßen­namen Lodz durch­wandern und das ehemalige Ghetto besuchen, entdecken Tali und Magda über­raschende Über­ein­stimmungen in ihrem polnischen Erbe.

Der Film geht der Frage nach, wie Erinnerungen an Holocaust und Krieg von Frauen erlebt, erzählt und weiter­gegeben werden.

Samstag, 12. Januar 2019, 19.30 Uhr
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Amon — mein Großvater hätte mich erschossen

Lesung und Diskussion mit Jennifer Teege

Veranstaltet von der Geschichts­werk­statt Göttingen

Jennifer Teege erfährt mit 38 Jahren durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familien­geschichte. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.

Sonntag, 13. Januar 2019, 14 – 18 Uhr
Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in der BBS II, Gode­hard­straße 11, Göttingen

Geschichte erforschen mit dem Museumskoffer

Workshop für Alle

Referentin: Annika Fischer

Voranmeldung:
E-Mail: info@zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu oder
telefonisch unter 0551 /29 34 69 01

Veranstaltet von der Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit in Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ und Geschichts­werk­statt Göttingen e.V.

Die Teilnehmer*innen erforschen den Inhalt verschiedener Koffer zum Thema Zwangsarbeit. Um die enthaltenen Gegen­stände, Fotos, Dokumente zu ent­schlüsseln, nutzen sie alle Elemente der Ausstellung. Die Einzel­recherchen fügen sich anschließend zu einem umfassenden historischen Gesamt­bild zusammen. Sie lernen, wie all­gegen­wärtig und viel­gestaltig Zwangs­arbeit war. Rassismus, Anti­semitismus und Krieg­swirtschaft als Grundl­agen der NS-Zwangs­arbeit werden ebenso angesprochen wie Fragen der Verantwortung, Erinnerung und Entschädigung nach 1945.

Freitag, 18. Januar 2019, 19 Uhr
Café Kollektiv Kabale, Geismar Landstr. 19, Göttingen

Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust

Buchvorstellung mit Steffen Hänschen

Veranstaltet vom Bildungs­werk ver.di

Die übergroße Mehrheit der Jüdinnen und Juden, die Ende 1941 auf dem Gebiet des Deutschen Reichs lebten, wurde im Laufe des Jahrs 1942 „nach Osten“ deportiert und ermordet. Der Distrikt Lublin im General­gouvernement war eines der Haupt­ziele der Deportationen. Bis Juni 1942 wurden die Deportierten jedoch nicht sofort in den Mord­lagern der „Aktion Reinhardt“ (Belzec, Sobibor und Treblinka) getötet, sondern auf sogenannte Transit­ghettos verteilt. Die Bedingungen, mit denen die Deportierten in den Transit­ghettos konfrontiert wurden, waren kata­strophal. Viele starben an Unter­ernährung, den ungenügenden hygienischen Zuständen oder aufgrund von Repressalien. Das größte Transit­ghetto befand sich in Izbica. In den Ort wurden fast 200 Juden aus sechs verschiedenen europäischen Ländern verschleppt. Parallel zu ihrer Ankunft begannen die Verschleppungen in die Mordlager Sobibor und Belzec. Im Herbst 1942, ein halbes Jahr nach den ersten Deportationen in die Transit­ghettos waren diese bereits aufgelöst und die Bewohner ermordet.

Im Zentrum des Buches stehen die Deportationen nach Izbica, das Geschehen am Ort sowie die Nach­kriegs­verfahren gegen deutsche Täter und polnische Kollabora­teure.

Der Autor präsentiert die Ergebnisse seiner Forschung über diese bisher kaum bekannte Phase des deutschen Mords an den Juden Europas.

Sonntag, 20. Januar 2019, 16 Uhr
Begegnungszentrum „Löwenstein“, Rote Str. 28, Göttingen

„Wo man Bücher verbrennt …“

Lesung mit Hinrich Lange und Gena Alcorta-Fleisch­mann

Veranstaltet vom Jüdischen Lehrhaus Göttingen

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“.

Dieses Zitat Heinrich Heines aus seiner Tragödie Almansor (1821, erschienen 1823) behandelt eine Verbrennung des Korans nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter. Heines Zitat wird allerdings als prophetisch für die Bücher­verbrennung im Mai und Juni 1933 im national­sozialistischen Deutschland angesehen.

Dienstag, 22. Januar 2019 bis Dienstag, 12. Februar 2019, Eröffnung 22. Januar 2019, 16 Uhr
Foyer des Landkreises Göttingen, Reinhäuser Landstr. 4, Göttingen

„Der Holocaust in den Augen der Künstler — der Schmerz bleibt haften“

Ausstellung

Veranstaltet von der Kuratorin Lea Sorina in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Anger­straße und der Projekt­werkstatt „Spurensuche“

Gemälde und Zeichnungen der Opfer des Holocaust — Beweise für die Unmenschlich­keit und Barbarei, für das Leiden der Menschen in den Ghettos und Konzentrations­lagern – sind auf Papier über­mittelte Schmerzens­schreie. Gleich­zeitig stellen diese Werke ein Mittel dar, sich jeder Form von Gewalt zu wider­setzen, sie bekräftigen die Liebe zum Leben, hoffen auf das Über­leben und appellieren an unsere Menschlich­keit. Gezeigt werden Werke von Künstlern und Künstlerinnen, die in den Konzentrations­lagern ums Leben gekommen sind oder den Holocaust überlebt und diesen dann mit ihrem persönlichen Erleben im Bild fest­gehalten haben.

Samstag, 26. Januar 2019, 10 – 15 Uhr
YLAB — Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen, Friedländer Weg 2, Göttingen

Was konnten / können sie tun? Widerstand leisten!

Referentin: Dr. Frauke Geyken, Historikerin

Anmeldung bis 10. Januar 201919 unter bildung@amnesty-goettingen.de

Veranstaltet von amnesty international Göttingen in Kooperation mit dem YLAB

In dem Workshop nähern wir uns durch vielfältige Quellen dem komplexen Thema Wider­stand gegen den Nationalsozialismus: Was ist eigentlich Wider­stand? Wer war beteiligt? Welche Formen kann Wider­stand annehmen? Ist das Verteilen kritischer Post­karten ebenso als Wider­stand zu werten wie das Attentat vom 20. Juli 1944? Warum wurden die Wider­stands­kämpferInnen nach 1945 von vielen als Verräter bezeichnet? Dieser Vorwurf taucht heute wieder auf und leitet den Blick in die Gegen­wart: Wo kann ich, wo will ich heute Wider­stand leisten? Unter welchen Bedingungen geschieht dies hier und in anderen Ländern?

Sonntag, 27. Januar 2019, 17 Uhr
St. Paulus, Wilhelm-Weber-Str. 15, Göttingen

Gedenkkonzert des Projekt­chores Synagogal­musik 2018/19 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des National­sozialismus

Musikalische Leitung: Carolin Hlusiak, Göttingen, und Daniel Kempin, Kantor im Egalitärer Minjan in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/M

Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit e.V.

Mittwoch, 30. Januar 2019, 14 – 15.30 Uhr
Treffpunkt: Aula der Universität, Wilhelms­platz 1, Göttingen

Geschichte Göttingens im Nationalsozialismus

Ein Stadtteilrundgang im Albani Stadtviertel

Der Rundgang wird geleitet von Frauke Klinge und Jörg Janßen

Veranstaltet von der Geschichtswerkstatt Göttingen

Mit diesem Stadtrundgang möchte die Geschichtswerkstatt Göttingen einen Einblick in den Alltag der Göttinger Bevölkerung zur Zeit des National­sozialismus vermitteln. Anhand von ausgewählten Themen richten wir den Blick nicht nur auf die Opfer von Entrechtung, Verfolgung und Deportation, sondern auch auf die Täter und Täterinnen vor Ort. Stationen des Rundgangs werden u.a. die Göttinger Universität im Nationalsozialismus, die Situation an den Schulen, die Bedeutung der NS-Zwangsarbeit und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung sein.

Donnerstag, 31. Januar 2019, 19 Uhr
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Wenn die Shoah zum Vogelschiss erklärt wird

Erinnern in Zeiten des Rechtsrucks

Veranstaltet vom Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 20191945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Heute ist mit der AFD eine rechtsradikale und geschichtsrevisionistische Partei im deutschen Bundestag vertreten. Ihr Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland bezeichnet „Hitler und die Nazis“ als einen „Vogelschiss in über 10 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Über­lebende des KZ Bergen-Belsen verwahren sich gegen die Beteiligung eben dieser AFD im Stiftungsrat der niedersächsischen Gedenkstätten. Während sich das gesellschaftspolitische Klima immer weiter nach rechts verschiebt, rückt der Zeitpunkt näher, an dem keine Überlebenden des NS-Terrors mehr berichten können. Was folgt daraus? Wie kann sich Erinnerungspolitik dem Rechtsruck entgegen stellen?

Müssen Gedenkstätten aufgrund dieser politischen Dynamik zu aktiven politischen Akteurinnen avancieren?

Wir diskutieren mit der Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, dem ehem. Leiter der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten Prof. Habbo Knoch und der Historikerin und Publizistin Cornelia Siebeck.

Freitag, 1. Februar 2019, 15 Uhr
Treffpunkt: KZ-Gedenkstätte Moringen, Lange Str. 58, Moringen

Von der Demokratie zur Diktatur — Das Männer-KZ Moringen.

Führung mit Hans Helms

Anmeldung: Tel. 0 55 54 - 25 20
info@gedenkstaette-moringen.de

Veranstaltet von der KZ-Gedenkstätte Moringen

Am 11. April 1933 richteten die Nationalsozialisten in Moringen ein Konzentrationslager ein. Es gehörte zu den ersten Repressionsinstrumenten der sich etablierenden NS-Diktatur. Bei den Häftlingen handelte es sich um Männer aus der Arbeiterbewegung und der politischen Linken. Sie stammten aus dem norddeutschen Raum, viele auch aus der Region zwischen Leine und Harz. Im Juni 1933 traten Häftlinge in einen Hungerstreik. Damit wollten sie nicht nur gegen die Bedingungen der Haft demonstrieren, sondern auch auf die Gesetzlosigkeit der Haft selbst hinweisen und zugleich ein rechtsstaatliches Verfahren anmahnen.