Veranstaltungen im Dezember 2016 :: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Veranstaltungen im Dezember 2016

Montag, 5. Dezember 2016, 19 Uhr
Junges Theater, Göttingen

„Inopportun“: Als Jude in der Politik nach 1945 nicht erwünscht

Fritz Bauer — Lesung und Gespräch mit Ronen Steinke

Veranstaltet von OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle)

Fritz Bauer, 1903 in Stuttgart geboren, erfährt früh den Antisemitismus des Kaiserreichs am eigenen Leib. Als Jude und überzeugter Sozialdemokrat wird er 1933 von den Nazis verhaftet und mehrere Monate im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert, bevor er 1936 zunächst ins dänische und 1943 wegen der Deportationen dänischer Jüdinnen und Juden ins schwedische Exil geht.
Zurück in Deutschland kämpft er nach 1949 als Staatsanwalt unermüdlich für die Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Nazi-Vergangenheit. Zu einer Zeit, in der die Justiz von braunen Seilschaften durchzogen ist, kooperiert er mit dem Israelischen Geheimdienst, was zur Festnahme Adolf Eichmanns führt, und setzt den großen Frankfurter Auschwitz-Prozess durch. Dabei wird auch seine eigene persönliche Geschichte zum Politikum.

Ronen Steinke schildert eindrucksvoll Bauers Biografie, die nach seinem Tod 1968 für lange Zeit in Vergessenheit geriet.

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 19 Uhr
Reformierte Gemeinde Göttingen, Untere Karspüle 11, Göttingen

„Es ist auch meine Geschichte“. Stadtteil­mütter auf den Spuren des National­sozialismus

Veranstaltet von Aktion Sühne­zeichen Friedens­dienste e.V. (Regiona­lgruppe Süd­nieder­sachsen)

Dieser Film von Julia Oelkers zeigt drei Berliner Stadtteil­mütter, die im Rahmen ihrer Ausbildung eine jüdische Synagoge, ein ehemaliges national­sozialistisches „Zigeuner­lager“ und zusammen mit einer Shoah-Über­lebenden den Ort besuchen, von wo aus deren Verwandte in den Tod deportiert wurden. Stadtteil­mütter helfen bei lebens­all­täglichen Fragen von Eltern mit Migrations­hintergrund, auch inter­kulturelle und sprachliche Heraus­forderungen kommen dabei in den Blick. „Inter­kulturelle Geschichte“ könnte man es also nennen, wenn sie nun wiederum sich mit sogenannter „deutscher“ Geschichte beschäftigen, aber auch die eigene Geschichte als eine solche erzählen und nach Berührungs­punkten suchen. Der Film versucht einen Einblick darin zu geben, wie wichtig solch ein Dialog sein kann.

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 20 Uhr
Apex, Burgstraße 46, Göttingen

Fritz Bauer: „Gerichtstag halten über uns selbst“

Szenische Lesung zum Auschwitzprozess

Unter Mitwirkung des Gipsy-Swing‐Ensembles

Veranstaltet von Amnesty International Göttingen (Gruppe 1117)

Bildrechte wurden Dieter Schenk vom Fritz Bauer Institut für Zwecke der szenischen Lesung übertragen

Der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer (1903-1968), der den Frankfurter Auschwitzprozess gegen den Widerstand in Justiz, Politik und Gesellschaft durchsetzte, wollte durch von ihm eingeleitete Strafverfahren über die Zeit des Nationalsozialismus aufklären und die Ursachen des National­sozialismus durchsichtiger machen.

Obwohl es Bauer um den historischen Hintergrund und nicht in erster Linie um die Bestrafung der Täter ging, vertrat er die Auffassung, dass sich jeder des Mordes schuldig machte, der irgend eine Funktion im Räderwerk der Vernichtung inne hatte. Es habe „nicht nur Hitler und Himmler gegeben, sondern Hunderttausende, Millionen anderer, die das, was geschehen war, nicht nur durchgeführt haben weil es befohlen war, sondern weil es ihrer eigenen Weltanschauung entsprach, zu der sie sich aus freien Stücken bekannt hatten“.

Fritz Bauer, Auschwitzprozess, Bild 1 Fritz Bauer, Auschwitzprozess, Bild 2
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Sonntag, 18. Dezember 2016, 16 Uhr
Begegnungszentrum Löwenstein, Rote Straße 28, Göttingen

Einstimmung auf Chanukka

Veranstaltet von der Jüdischen Kultus­gemeinde für Göttingen und Süd­nieder­sachsen e.V.

Chanukka erinnert an die Zeit, in der Jüdinnen und Juden durch strikte Gesetzte, wie beispielsweise das Verbot ihrer Religionsausübung, unter griechischer Herrschaft litten. Nachdem Jüdinnen und Juden die Griechen zurückgedrängt hatten, wurde der Tempel neu eingeweiht. Chanukka erinnert an diese Neueinweihung, die Bewahrung der jüdischen Religion, sowie Hoffnung für Zukunft und Gegenwart.

In diesem Jahr wird Chanukka erst Ende Dezember gefeiert — die acht Tage beginnen am Heiligabend. Deshalb wollen wir uns zur Einstimmung am 4. Advent mit der Bedeutung jüdischer Traditionen für das Überleben des jüdischen Volkes in der wechsel­vollen zweitausend­jährigen Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer beschäftigen. Zahlreiche Pogrome und nicht zuletzt der Holocaust hatten die Ausrottung zum Ziel.

Montag, 19. Dezember 2016, 20 Uhr
Kino Lumière, Geismar Landstraße 19, Göttingen

Filmvorführung: „Triumph des guten Willens“

in Anwesenheit des Regisseurs Mikko Linnemann mit anschließender Diskussion

Veranstaltet von f_act – feministische Aktion

Der vorerst letzte Teil der Reihe „Wie erinnern?“ setzt sich filmisch mit den Texten des Publizisten Eike Geisel (1945-1997) auseinander. Im Zentrum stehen Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungs­politik und seine These über die „Wieder­gutwerdung der Deutschen“. Texte Geisels aus den 1990er Jahren, u. a. über die Neue Wache und das Holocaust-Mahnmal in Berlin, kontrastieren die heutigen Bilder der beschriebenen Gedenk­stätten. Sie zeigen eine Normalität, die es eigentlich nicht geben dürfte.

Zudem analysieren ausführliche Interviews mit Alex Feuerherdt, Klaus Bitter­mann, Hermann L. Gremliza und Henryk M. Broder Geisels Thesen in Hinblick auf die gesell­schaftlichen Verhältnisse heute.

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